Die Soletherapie hat
in
Bad Kösen
eine lange Tradition.
Bereits 1726 beschrieb ein Arzt die Heilwirkungen des heute nicht mehr
vorhandenen Mühlbrunnens, der wegen seiner entschlackenden Wirkung zu
Trinkkuren genutzt wurde.
1730 und 1735 wurden zwei natriumchloridhaltige Mineralquellen in fast
200 Metern Tiefe erschlossen, die zunächst ausschließlich der
Kochsalzgewinnung dienten. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen
einzelne Salinenarbeiter, mit der ihnen als Deputat überlassenen
Schachtsole, Wannenbäder für Fremde zu bereiten.
Dies sprach sich rasch herum, immer mehr Auswärtige verlangten nach
Solebädern und 1819 ordnete die Salinenverwaltung die kostenpflichtige
Abgabe von Badesole für die Badewirte an. Doch dieses lukrative
Geschäft wollte man nicht nur den Privatleuten überlassen. 1834 richtete
die Salinenverwaltung das erste Wellenbad im Untergerinne der
Wasserkunst ein, bald darauf folgte ein zweites. Auf Drängen des
Salinenarztes wurde in einem der Siedehäuser ein Soledampfkabinett und
ein Solebassin für Experimente zur Elektrotherapie eingerichtet.
Nach und nach entstanden moderne Warmbadeanstalten, das Angebot von
Trinkkuren wurde erweitert und das Badewesen entwickelte sich zu einem
wichtigen wirtschaftlichen Standbein für die Einwohnerschaft. Daher
wurden auch nach der Schließung der Saline im Jahr 1859 die
Solegewinnungs- und Aufbereitungsanlagen nicht abgerissen. Das
Gradierwerk diente von nun an der Freiluftinhalation.
Der Ausbau der für ein Bad erforderlichen Infrastruktur lag nun in den
Händen der städtischen Badedirektion. In der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts entstanden die Parkanlagen, wurde die erste Inhalierhalle
gebaut. Große Bedeutung gewann die Behandlung von Kindern, deren
Aufenthalt von karitativen Vereinen und durch Spenden ermöglicht wurde.
1910 gelang die Erbohrung zweier weiterer Solequellen im unteren
Kurpark, die Voraussetzung für den Bau des Kurmittelhauses. Mit Anlagen
zur trockenen Solevernebelung und Druckkammern war es die modernste
Einrichtung zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege in dieser Zeit.
Da der 1. Weltkrieg die Einstellung fast aller größeren privaten
Warmbadeanstalten mit sich brachte, ließ die Stadt 1927 eine moderne
medizinische Badeanstalt errichten.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden die gesamten Therapieeinrichtungen und die
Unterkünfte verstaatlicht, zum Volkssolbad zusammengefasst und unter
den in dieser Zeit herrschenden eingeschränkten Verhältnisse
weitergeführt. 1985 gelang die Erschließung einer ergiebigen Solequelle
im unteren Kurpark.
Seit 1990 sind die Kureinrichtungen wieder in städtischer Hand. Mit
einem hohen Aufwand wurden die inzwischen desolaten und unmodernen
Therapieeinrichtungen saniert, die Solequellen ertüchtigt, die Denkmale
der Salinentechnik restauriert und ein modernes Solebewegungsbecken im
Therapiezentrum errichtet. 1999 wurde der Stadt Bad Kösen das Prädikat
„Heilbad“ bestätigt. |